Leitstellen-Bilanz: Fast 3700 Fälle bearbeitet


Nach Abschluss der akuten Unwetterhilfe verlegt sich die Initiative „Regen in Münster“ jetzt auf ´s Spendensammeln für private Vereine und Initiativen, wie zum Beispiel die schwer betroffene Multiple Sklerose Gesellschaft Münster. V.l.n.R. stehend: Sebastian Nauschütz, Oliver Fontolan, Babette Lichtenstein van Lengerich, Katrin Balder, Matthias Griesdorn (alle Initiative „Regen in Münster“), Ulla Boomgaarden, Dr. Wolfgang Gessmann (Multiple Sklerose Gesellschaft). Im Vordergrund Bewohner des Zentrums. Bild: Regen in Münster, Stefan Hinze.

Neben Spendengeldern werden künftig vor allem ehrenamtliche Rechts- und Versicherungsexperten gesucht.

Münster, den 22.08.2014. Die Auswertung der Strichlisten nach dem Ende der „heißen Phase“ ist beeindruckend: Die Leitstelle der Initiative „Regen in Münster“ hat genau 3681 Fälle bearbeitet. Bis zu 360 Anrufe von Hilfesuchenden und Helfern wurden täglich entgegen genommen. Um die langfristigen Probleme der Betroffenen nach erfolgreicher Ersthilfe ein wenig zu lindern, soll es künftig auch Hilfestellung in Rechtsfragen geben.

„In Spitzenzeiten hatten wir über 500 Helfer gleichzeitig im Einsatz“ , berichtet Katrin Balder. Insgesamt seien etwas über 2000 Helfer beteiligt gewesen. Im Wohnzimmer der Archäologiestudentin liefen die Fäden zusammen. Gemeinsam mit fünf jungen Männern hat sie wenige Tage nach dem Unglück begonnen, per Telefon und Facebook die praktischen Hilfseinsätze zu steuern. „Der Weg raus aus dem anonymen „Nur-Facebook“ hin zum persönlichen Telefongespräch hat sich im Endeffekt als entscheidend für die Effektivität erwiesen“ erklärt sie den Sinn der Leitstelle.

Neben Manpower waren häufig auch technische Gerätschaften gefragt. „Wir hatten alleine 866 Fälle, in denen wir eine Pumpe vermitteln mussten“, berichtet Leitstellenkollege Sebastian Nauschütz.

„Der härteste Tag war der 2. August“ Denn da habe man die meisten Helfer im Einsatz gehabt. „Im Durchschnitt haben die Helfer etwa 6,5 Stunden pro Tag gearbeitet, ich selbst war auch viel draußen und war beeindruckt, wie sehr sich gerade ältere Menschen über jede noch so kleine Hilfe gefreut haben“, so der Handwerker.

„Vor allem in Kinderhaus war die Not groß“, ergänzt Matthias Griesdorn. „Alleine dort hatten wir 1873 Fälle – meistens Kellerräumungen. Im gesamten Stadtgebiet waren es übrigens genau 3145 Kellereinsätze“, so der Ingenieur. Der Rest seien Souterrain- und Erdgeschosswohnungen gewesen. „Viele haben sich mit

Freunden in Gruppen bei uns gemeldet, die wir dann jeweils dorthin geschickt haben, wo die Not am größten war“. Über 100 km sei ein Privat-PKW im Schnitt gefahren, so der Leitstellenkoordinator.

Der harte Kern der Helfertruppe seien rund 150 Freiwillige gewesen, erklärt Leitstellenkollege Oliver Fontolan. „Frauen waren mit insgesamt 67 Prozent übrigens stärker als Männer an den Hilfseinsätzen beteiligt.“ Wichtig seien für alle Beteiligten auch die abendlichen Treffen am Kanal gewesen – für das Gemeinschaftsgefühl, aber auch um Negativeindrücke wie verzweifelte Menschen, ertrunkene Haustiere, Messiehaushalte etc. zu verarbeiten.

„Leider hören wir immer wieder, dass für viele Betroffene die Probleme jetzt erst richtig anfangen“, erklärt Matthias Griesdorn. Vielfach gebe es Probleme mit dem Vermieter oder der Versicherung. Hier seien Experten gefordert. „Wir haben auf unserer Website zwar schon viele hilfreiche Antworten auf die wichtigsten Rechtsfragen zusammen getragen, aber das wird im Einzelfall nicht ausreichen“. Deshalb sucht die Initiative dringend Anwälte und Versicherungsexperten, die ehrenamtlich besonders Betroffenen eine fundierte Erstberatung zukommen lässt.

Wer dazu bereit ist, meldet sich am besten über die Websitewww.regen-in-muenster.de bei der Gruppe. Dort gibt es für Hilfesuchende und Helfer inzwischen eine Fülle von Informationen – vom Spendenkonto bei der Bürgerstiftung Münster über die Frage nach den Kosten für Bautrockner bis hin zu Möbelofferten.